Wenn der Geburtsbeginn einen Impuls braucht
Ob ein überschrittener Geburtstermin, abnehmende Bewegungen des Kindes oder eine Zwillingsschwangerschaft: All das sind unter anderem Gründe dafür, eine Geburt einzuleiten. Wie Mediziner in solchen Fällen handeln, wird laut Dr. Flutura Dede je nach Situation von Mutter und Baby entschieden. Die Chefärztin der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen erläuterte bei einem Infoabend in der Krankenhaus-Cafeteria die Maßnahmen
In Deutschland wird etwa jede vierte Geburt künstlich eingeleitet. Dr. Flutura Dede stellte klar: „Solche Fälle sind nicht auf ein Versagen des Körpers zurückzuführen. Das Einleiten einer Geburt wird in Betracht gezogen, wenn ein Schwangerschaftsstopp vorteilhafter ist, als ein weiteres Abwarten.“ Die Maßnahme ziehen Mediziner erst dann in Betracht, nachdem sie die Vorteile und möglichen Risiken für Mutter und Kind abgewägt haben. Steht nach Absprache mit der Mutter die Entscheidung für eine Geburtseinleitung, so bedeutet das nicht zwingend, dass ein Kaiserschnitt nötig ist. Dede: „Die Geburt kann, nachdem die Wehen angeregt worden sind, auf natürlichem Wege erfolgen.“
Zu einer Vorgehensweise, um die Geburt in Gang zu bringen, zählen mechanische Verfahren. Dabei kann die Fruchtblase über den bereits geöffneten Muttermund mit einem kleinen sterilen Hilfsmittel vorsichtig eröffnet werden. Eine andere Maßnahme ist der Einsatz eines Ballonkatheters. Dieser wird in die Gebärmutter eingeführt und mit Flüssigkeit gefüllt, wodurch sich der Gebärmutterhals dehnt. Alternativ greifen Fachleute auf die sogenannte Eipollösung zurück. Die Hebamme oder der Arzt löst hierbei vorsichtig mit dem Finger die äußere Hülle der Fruchtblase vom Muttermundrand. Neben mechanischen Möglichkeiten kann auf Medikamente in Form von Tabletten zurückgegriffen werden. Dede: „Diese können den Gebärmutterhals reifen lassen und Wehen auslösen.“ Ebenso kommen Vaginalgels zum Einsatz, die den Gebärmutterhals weicher machen. Alternative Verfahren wie aus der Naturheilkunde runden die Möglichkeiten der Geburtseinleitung ab. Zu diesen Methoden können Schwangere mit den ihnen vertrauten Hebammen in Gespräch kommen, die Erfahrung in diesem Bereich mitbringen und Raum für Fragen und Wünsche bieten.
Eine Geburtseinleitung in der Klinik erfolgt in folgenden Schritten: stationäre Aufnahme, Begleitung durch Hebamme, ärztliche Untersuchung, Ultraschall, vaginale Untersuchung, CTG-Kontrolle, Blutentnahme, fachärztliche Empfehlung mit Aufklärung und Einverständnis der Schwangeren, individueller Einsatz der Einleitungsmethode. Mögliche Nebenwirkungen hängen von der eingesetzten Methode ab und werden ebenso mit den Frauen besprochen. Als Botschaft zum Mitnehmen gab die Chefärztin den Gästen mit auf den Weg: „Gute Geburtshilfe bedeutet nicht nur Sicherheit. Sie bedeutet auch Information, Zeit und gemeinsame Entscheidungen zu treffen.“
