Vom Röntgenbild zum High-End-MRT
Vor 60 Jahren zog das Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen auf den Rosterberg: 60 Jahre mit zahlreichen baulichen Veränderungen, aber auch enormen Fortschritten in Medizin und Technik - wie ein Blick in die Radiologie beispielhaft zeigt.
Sechs Jahrzehnte, ein Standort – und eine Medizin, die sich stetig fortentwickelt hat: Vor 60 Jahren zog das Evangelische Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen vom Fischbacher- auf den Rosterberg. Mit dem modernen Klinikneubau an der Wichernstraße wurde 1966 ein neues Kapitel aufgeschlagen, das die Gesundheitsversorgung der Region bis heute prägt. Denn das heutige Diakonie Klinikum Jung-Stilling ist am Standort seither nicht nur baulich gewachsen, auch die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten haben einen tiefgreifenden Wandel erlebt.
Dabei lässt sich der Fortschritt in der Medizintechnik in kaum einer anderen Fachdisziplin so eindrucksvoll nachzeichnen wie in der Radiologie. Bereits als am 8. Oktober 1966 das 13-geschossige, anfangs für 400 Betten ausgelegte Krankenhaus eröffnet, zieht dort eine klassische, für damalige Verhältnisse moderne Röntgenabteilung ein. Eingebettet in den Fachbereich Neurochirurgie/Neuroradiologie unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Wilhelm Umbach verfügt das „neue Stilling“ über die seinerzeit besten Möglichkeiten der Bildgebung. Dazu gehören die damals neuartigen Röntgen-Bildverstärker, mit den die Durchleuchtung verbessert und die Strahlendosis für Patienten deutlich verringert werden konnte. Anders als noch wenige Jahre zuvor kann das medizinische Personal bereits auch auf ein ferngesteuertes Röntgen- und Durchleuchtungssystem zurückgreifen, das es vor direkter Strahlung schützt.
1977: Einer der ersten Ganzkörper-CTs in Deutschland
Überhaupt sind die 1960er- und 1970er-Jahre geprägt durch rasante Fortschritte in Medizin und Technik. Immer neue Erkenntnisse aus der Forschung führen dazu, dass Fachdisziplinen ihre Spektren erweitern, Ärzte sich zunehmend spezialisieren und sich bei der Diagnostik wie in der Therapie moderne Hilfsmittel zu Nutze machen können. Das „Stilling“ zeigt sich dabei in vielerlei Hinsicht als Vorreiter. Dies ist vor allem 1977 der Fall, als auf dem Rosterberg ein hochmoderner wie teurer Ganzkörper-Computertomograph in Betrieb genommen wird – es ist das deutschlandweit erste Gerät dieser Art außerhalb einer Universitätsklinik. Eingesetzt wird der CT-Somatom 2 zur Diagnostik vor allem von der Neurochirurgie unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Arno Schulze.
Erst wenige Jahre zuvor hatte der Brite Godfrey Hounsfield den ersten klinischen Computertomographen entwickelt – und damit die Röntgendiagnostik revolutioniert. 1971 wurde erstmals eine Patientin mithilfe der neuartigen Technik untersucht. Die entscheidende Neuerung: Während sich beim klassischen Röntgen Organe und Knochen auf einem zweidimensionalen Bild überlagern, da nur von einer Seite aus durchleuchtet wird, werden bei einer CT die Röntgenstrahlen in elektrische Signale umgewandelt, die Bilder nunmehr digital verarbeitet. Die Geräte nehmen dafür eine Körperschicht aus verschiedenen Winkeln auf, der Computer errechnet aus diesen Schichtbildern ein dreidimensionales Modell.
In den 1980er- und 1990er-Jahren erfährt die computergestützte Schnittbilddiagnostik einen weiteren Quantensprung: Die Magnetresonanztomographie (MRT), damals häufig noch Kernspintomographie genannt, hält flächendeckend Einzug in größeren Kliniken. Erstmals können nun Weichteilgewebe, Gehirn und Rückenmark ohne Röntgenstrahlung und in extrem hohem Kontrast dargestellt werden. Auch im „Stilling“ können die Radiologen schon frühzeitig auf die moderne Technologie zugreifen. Mit der Zeit werden dabei sowohl die MRT- als auch die CT-Geräte immer schneller und besser, liefern vor allem immer genauere Bilder.
Nicht nur in der Radiologie, auch in den anderen Fachdisziplinen war und ist das Diakonie Klinikum stets auf der Höhe der Zeit, wenn es darum geht, neueste Medizintechnik zum Wohl der Patienten einzusetzen. Parallel dazu schreitet auch die bauliche Entwicklung am Rosterberg stetig voran – nicht nur am „Stilling“ selbst, das über die Jahrzehnte bis heute mehrfach angebaut oder aufgestockt wird, sondern gleichfalls im direkten Umfeld. So entsteht 1989 unterhalb des Krankenhauses das MRT-Gebäude für die radiologische Abteilung. Und als 2005 auf dem Campus das Medizinische Versorgungszentrum eröffnet wird, um die ambulante fachärztliche Versorgung mit dem stationären Bereich zu verknüpfen, gehört die Radiologie neben der dermatologischen Praxis zu den ersten Angeboten des neuen MVZ.
Heute: Diagnostik mit High-End-Technologie
Heute ist die Radiologie am „Stilling“ längst kein reiner Krankenhaus-Dienstleister mehr, sondern ein hochvernetztes Zentrum, das drei tragende Säulen in sich vereint: für die stationäre Versorgung das Institut für Radiologie unter der Leitung von Chefarzt Dr. Michael El-Sheik, für die ambulante Versorgung die Radiologische Praxis im MVZ unter der ärztlichen Leitung von Dr. Jens Nawatny sowie für die Senologie und die Brustkrebs-Früherkennung in der Region Siegen-Olpe-Hochsauerland das Mammografie-Screening unter der Leitung von Dr. Michael Blazek und Dr. Volker Christian Brandenbusch. Der Fachbereich verfügt dabei über eine High-End-Ausstattung auf teilweise universitärem Niveau, die weit über den üblichen Standard in Krankenhäusern hinausgeht. Zum Gerätepark gehören insbesondere vier hochmoderne MRT-Systeme (ein besonders starkes 3-Tesla-MRT mit großer Öffnung sowie drei 1,5-Tesla-Geräte), vier strahlenarme CT-Geräte sowie roboterbasiertes digitales Röntgen. Ferner gibt es ein Angiographiesystem für interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Kardiologie, das etwa bei komplexen Eingriffen am Herzen oder im Gehirn Blutgefäße oder Katheter sofort aus zwei Perspektiven darstellen kann. In Kooperation mit der benachbarten Nuklearmedizin wird zudem ein innovatives PET/CT vorgehalten, das die gleichzeitige Erfassung von Gewebestoffwechsel und Anatomie ermöglicht und vor allem in der Krebs- und Demenzdiagnostik von Bedeutung ist.
Auf Basis dieser modernsten Technik, nicht zuletzt aber auch dank der hohen Expertise der Ärzte, wurde die Abteilung mehrfach von der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) zertifiziert, unter anderem als Spezialzentrum für Muskuloskelettale Radiologie (Gelenke/Knochen) sowie für kardiovaskuläre Bildgebung (Herz/Gefäße). Des Weiteren besitzen die Radiologen DRG-Zertifikate für die MRT-Untersuchung der Prostata, für die minimalinvasive Behandlung von Erkrankungen der Gefäße, der Verdauungsorgane, von Tumorerkrankungen und zur Schmerztherapie. Darüber hinaus besteht eine enge Kooperation mit dem Fachbereich Neuroradiologie unter der chefärztlichen Leitung von Dr. Georg Richter. Auch hier werden modernste Verfahren der Bildgebung genutzt, um etwa die Ursache für Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Erkrankungen an Wirbelsäule oder Rückenmark zu erkennen – sowie nicht zuletzt bei katheterbasierten Behandlungen von akuten Schlaganfällen, Aneurysmen oder Fehlbildungen der Gehirnschlagadern.
Dies zeigt, dass die moderne Radiologie weit mehr leistet, als Aufnahmen von Knochen, Geweben und Organen zu machen, betont Chefarzt Dr. Michael El-Sheik: „Zunehmend geben unsere Messdaten auch Auskunft über Körperfunktionen und ihre Störungen. So können wir beispielsweise gut- und bösartige Tumore unterscheiden, Krebszellen aufspüren oder den exakten Verlauf von Nervenbahnen aufzeigen.“
