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Betroffene wollen gemeinsam Barrieren überwinden

13.07.2026

Die Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen startet ein neues Angebot. Gegründet werden soll eine Selbsthilfegruppe für Rollstuhlfahrer – unabhängig von Alter, Ursache oder Diagnose – in Kreuztal.

Es geht um weit mehr als fehlende Rampen, defekte Aufzüge oder zu schmale Türen, die Menschen im Rollstuhl die Fortbewegung im öffentlichen Raum und das Leben erschweren. „Es fehlen Rücksichtnahme, kleine Hilfen im Alltag, psychische Unterstützung, Hilfsmittel und der Austausch mit anderen“, weiß Claudia Langenhagen-Debey. Als Pflegefachkraft in der ambulanten Intensivpflege begleitet sie unter anderem seit vier Jahren Petra Hoffarth. Die 48-Jährige nutzt aufgrund eines frühkindlichen Hirnschadens seit ihrer Kindheit einen Rollstuhl. Gemeinsam möchten die Frauen eine Selbsthilfegruppe für Menschen im Rollstuhl gründen und werden dabei von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen in Siegen unterstützt.
 

„In der Begleitung von Petra ist mir sehr viel bewusst geworden und ich sehe, dass Unterstützung an allen Ecken fehlt“, berichtet die 49-jährige Pflegefachkraft, deren Unterstützung weit über die medizinische Versorgung hinaus geht. Petra ist eine selbstbestimmte Frau, die ihre eigenen Entscheidungen trifft. Aufgrund weiterer gesundheitlicher Einschränkungen benötigt sie jedoch eine intensive Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Die Unterstützung umfasst unter anderem die Mobilisation aus dem Bett, die Körperpflege, das Zubereiten von Mahlzeiten, Arzt- und Therapiebesuche sowie gemeinsame Ausflüge – „denn Teilhabe bedeutet weit mehr als reine Pflege“, so Claudia. Schon der Besuch einer Facharztpraxis stelle häufig eine große Hürde dar. „Viele Praxen sind noch immer nicht barrierefrei oder verfügen nicht über notwendige Hilfsmittel wie Lifter“, schildert Claudia. „Ich erlebe auch sehr häufig, dass Menschen im Rollstuhl nicht ernst genommen werden. Petra passiert es immer wieder, dass mit ihrer Begleitperson statt mit ihr gesprochen wird, obwohl sie direkt daneben sitzt. Dabei wünscht sie sich nichts anderes, als selbstverständlich als Gesprächspartnerin wahrgenommen zu werden.“ Auch die Themen Einsamkeit und Isolation begleiten zahlreiche Menschen im Rollstuhl. Nicht immer gebe es Angehörige, die helfen und unterstützen können. Wenn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwert und eingeschränkt ist, fehlen auch soziale Kontakte und der Austausch mit anderen. „Unsere Selbsthilfegruppe möchte Menschen im Rollstuhl zusammenbringen, die ihre Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam für mehr Teilhabe und Barrierefreiheit in unserer Region eintreten. Weil man manche Wege gemeinsam einfach leichter fährt.“


Die Selbsthilfegruppe richtet sich an Menschen, die einen Rollstuhl nutzen – unabhängig von Alter, Ursache oder Diagnose. Betroffene, die sich in geschützter Gesprächsatmosphäre austauschen möchten, können sich an die Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen wenden – unter der Telefonnummer 0271/500 3131 oder per Mail an selbsthilfe@diakonie-sw.de. Die Gruppentreffen finden in großzügigen und barrierefreien Räumlichkeiten in der Heesstraße 5 in Kreuztal statt und sind gut über öffentliche Verkehrsmittel zu erreichen.

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